Kneipp-Gesundheitsvisite

August 2019
Gesunde Ernährung und Trinken an heißen Sommertagen

Wenn man an heiß-schwülen Sommertagen sich leicht erschöpft fühlt, dann hat man oft wenig Lust auf schwere Speisen und Getränke. Ein Blick auf Menschen in noch heißeren Klimazonen kann uns Anregungen geben, welche Speisen und Getränke am bekömmlichsten sind.

Vor sehr kalten Getränken und Speisen bei Hitze wird oft gewarnt. Auch wenn die Erklärung falsch ist, dass der Körper bei einer Abkühlung des Magens durch größere Mengen von kalten Getränken oder eisigen Speisen mehr Hitze produziere, so zeigt sich unmittelbar ein deutliches und recht ausgeprägtes Schwitzen, wodurch die Kleidung feucht wird, was sich eher unangenehm anfühlt. Der physiologische Mechanismus des Schwitzens nach Trinken kalter Getränke scheint noch nicht überzeugend geklärt zu sein, jedenfalls muss es sich um ein innerhalb von Sekunden ablaufendes Regulationsprozess handeln, bei dem ähnlich wie bei einem Kneippschen Kaltreiz auf der Haut nervliche Prozesse involviert sind und wohl auch noch Stresshormone.

In warmen Gefilden tragen Menschen oft recht dicke Kleidung, um sich dadurch gegen Hitze wie gegen Kälte zu schützen und überdies ein guter Sonnenschutz gegeben ist. Bei Wind durch Fahrt oder durch entsprechende Ventilation kann man sich aber in feuchter Kleidung leicht unterkühlen und so wird starkes Schwitzen in Kleidung konsequent vermieden. Man trinkt daher zum Beispiel Pfefferminztee, aber auch andere Getränke eher temperiert also lauwarm, um einen Schwitzanfall zu vermeiden und dennoch ausreichend Flüssigkeit einzunehmen. Das im Pfefferminztee enthaltene Menthol kann eine Kühlung vortäuschen, indem die Kälte-Rezeptoren der Haut und im Magen-Darm-Bereich stimuliert werden, obwohl dabei keinerlei echte Abkühlung vorliegt. Übermäßiges Trinken ist bei Hitze kontraproduktiv und in Verbindung mit Salzmangel sogar gefährlich. Bei starkem Schwitzen sollte aber schon ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden, um eine Austrocknung des Körpers zu vermeiden.

Wenn man bei starker Hitze ohnehin wenig Appetit hat, sollte man jedenfalls nicht unmittelbar vor dem Essen, den Magen mit Getränken überfüllen. Dadurch werden überdies die Verdauungssäfte im Magen zu stark verdünnt, und somit die normale Verdauung gestört. Relativ leicht verdauliche Speisen in begrenzter Menge hinsichtlich des schwerer verdaubaren Fettes sind im Sommer zu bevorzugen, gerne auch frische Salate, Gemüse und Obst. Gewürze, Salz und Essig wirken im Sommer ausgleichend bzw. anregend und erfrischend. Um den Körper von der anstrengenden Verdauungsarbeit zu entlasten kann man durchaus mal Mahlzeiten weglassen im Sinne des derzeit propagierten Intervallfastens.

Auch wer ohnehin mal richtig fasten wollte, sollte dies durchaus mitten im Sommer tun, denn das beim Fasten auftretende Kältegefühl wird bei großer Hitze viel weniger gespürt. Allerdings sollte man Mineralienverluste durch intensives Abführen im Sommer erst recht vermeiden, wenn bei hohen Temperaturen geschwitzt wird. Beim Heilfasten nach Uehleke gibt man statt Abführmitteln Heilerde, bindet damit Stoffwechselprodukte aus der Leber und bringt diese durch pflanzliche Quellstoffe zur natürlichen Ausscheidung. Der Körper kann fehlende Mineralien aus der Heilerde „auffüllen“ und die Leber wird nicht durch wiederholte Aufnahme derselben Giftstoffe mehrfach belastet.

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin

 

Juli 2019
Badevergnügen im Sommer

Es erscheint sonderbar, dass Sebastian Kneipp als der Reformator und Verbreiter der nach ihm benannten Wasserkur dem im Sommer damals wie heute so beliebten Schwimmen im „Freibad“ kritisch gegen­überstand. Er schimpfte gegen ein Freibad bei Wörishofen, konnte aber die Errichtung durch private Betreiber nicht verhindern. „Im Grabe umgedreht“ hätte er sich wohl, als in den 60er Jahren Hotels, Gästehäusern und Pensionen unter seinem Namen fast überall Schwimmbecken eingebaut wurden – dazu auch noch beheizte und im Hause ganzjährig nutzbar. Lagen die Vorbehalte des katholischen Pfarrers daran, dass er vermutlich selbst gar nicht schwimmen konnte? Oder fürchtete er um die Moral der mit Schwimmkleidung zu leicht bekleideten Jugend? Erinnerte er sich an den Skandal wegen wassertretender Damen, die dabei den Rock unzüchtig bis über das Knie gehoben hatten, oder hatte er Angst vor einer Ausbreitung der Nacktbäder, die bei anderen Naturheilern und bei den Prießnitz-Vereinen durchaus üblich waren. Es bestehen aber ganz grundlegende Unterschiede zwischen den von Kneipp als gesundheits­fördernd erkannten Kaltwasserreizen und dem Schwimmen. Bei dem nur einige Sekunden andauernden Kaltreiz durch einen Guss oder kurzes Eintauchen (Bad) aber auch bei einem feuchten Wickel wird zwar eine komplexe Regulation des Körpers einschließlich einer Stressreaktion ausgelöst, aber es kommt gar nicht zu einer richtigen Abkühlung! Im Gegenteil kommt es kurz danach sogar zu einer Erwärmung der betroffenen Körperteile durch eine Umlenkung der Blutströme. Trotzdem bleibt nach einer Kneippschen Kaltwasser­anwendung ein angenehmes Gefühl gerade auch an einem schwülen Sommertag. Verlängert man nun die Kneippanwendung z. B. durch eine zusätzliche Runde beim Wassertreten, so wird dabei nicht besonders viel mehr Wärme abgegeben – schließlich sind die Hautgefäße bereits verengt und die oberflächlichen Gewebeschichten abgekühlt. Bedeutend mehr Wärme kann abgegeben werden, wenn man sich länger in nicht zu kaltem Wasser aufhält. Beim Schwimmen bildet der Körper Wärme und gibt diese gerne an das Wasser ab. Insofern eignen sich Warm-Bäder und Thermen mit Wasser-Temperaturen über 30 Grad weniger für körperliche Aktivität, da es hierbei zum Wärmestau kommt, wenn der Körper die Wärme nicht abgeben kann. Bei kühlem oder kaltem Wasser tritt aber auf Dauer trotz Sparprogramm in der Hautdurch­blutung ein Wärmeverlust ein, der dann auch nicht mehr mit Bewegung und Schwimmen aufgehalten werden kann. Wer frierend aus dem Wasser kommt, hat keinen gesundheitlichen Nutzen und sollte sich durch Bewegung rasch wieder erwärmen, um einer Erkältung vorzubeugen. Als in meiner Jugend die sparsamen schwäbischen Stadträte unseres Freibades ein Anheizen über 20 Grad ablehnten, weil es sonst nicht mehr ausreichend „erfrische“, wurde beim Beobachten der entsprechenden Honoratioren im Freibad sehr deutlich, dass diese ausnahmslos nicht nur über einen eingebauten Naturneopren-Anzug verfügten, sondern auch noch mehrere „Rettungsringe“ um den Leib „eingebaut“ hatten. Die tratschten ewig im kalten Wasser stehend und bezeichneten schlaksige Jungen als wasserscheu, die nach drei Schwimmstößen das Wasser schnatternd verlassen mussten. Die Honoratioren ahnten nicht im geringsten, dass sie selbst dem Tode näher waren, als die übermütigen Kinder, die allen Verboten zum Trotz unabgekühlt ins kalte Wasser sprangen. Seit Jahrhunderten wird gewarnt, dass plötzliche Abkühlung zu Herzversagen und Schlaganfall führen könne. Dahinter stehen lediglich zwei Todesfälle – allerdings von sehr prominenten Figuren der Weltgeschichte: Alexander der Große und Kaiser Barbarossa. Trotz völlig unklarer Umstände dieser beiden Todesfälle führte das Ableben des letzteren dazu, dass man den Kontakt mit dem Wasser über etliche Jahrhunderte vor allem in Frankreich ganz einstellte. Ärzte forderten vor jedem Bad eine Untersuchung und sehr häufig einen Aderlass zur Senkung des Risikos eines plötzlichen Todes im Bade (dummerweise verbreiteten sie aber genau dabei mit ihren unsterilen Instrumenten Infektionser­krankungen wie die Syphilis). Die Ängste vor der plötzlichen Abkühlung kann man durch die guten Erfahrungen bei der plötzlichen Abkühlung der Sauna widerlegen. Hingegen hat der längere Aufenthalt im Bade durch den Wasserdruck eine zunehmende Umverteilung des Blutes zur Folge, die zusammen mit der in Kälte verringerten Hautdurchblutung zu erheblichen Blutdruckanstiegen führt. Damit kann theoretisch schon mal ein Herzschlag (Herzinfarkt) oder ein Schlagfluss (Apoplex) ausgelöst werden, entsprechende Fälle sind aber glücklicherweise sehr selten.

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin

 

Juni 2019
Dinkel

Dinkel ist ein mit dem Weizen verwandtes Getreide, das in Süddeutsch­land auch wegen seiner Robustheit gegen raueres Klima als Winter­getreide angebaut wird. Neue Sorten haben durch kürzere Halme eine bessere Standfestigkeit, sie sind außerdem robust gegen Schädlinge und brauchen kaum Kunstdünger.

Ein besonderer Vorteil gegenüber anderen Getreidesorten bestand früher in Hungerzeiten darin, dass Dinkel bereits grün geerntet werden kann – als Grünkern ist er Bestandteil manch schwä­bischer Gerichte, z.B. Suppen und Grünkernküchle. Überdies werden die Spelzen gerne für Kissenfüllungen genommen und man kann sogar den von Kneipp so geschätzten Kaffee-Ersatz mit Dinkel herstellen.

„Ziemlich gleich kommt dem Weizen der Spelt, auch Dinkel genannt, der in kälteren Gegenden leichter gedeiht, an Nährgehalt hinter dem Weizen kaum zurücksteht und, wie vielfach behauptet wird, zu Mehlspeisen in mancher Beziehung noch geeigneter ist als das Weizenmehl.“
Sebastian Kneipp

Hildegard von Bingen hat den Dinkel geschätzt und so wird er heute als gesünderer Ersatz für Weizen angepriesen. Dinkel ist ein Urkorn, welches vom Urweizen abstammt. Dinkel enthält Vitamine und Spurenelemente sowie Kieselsäure und wird oft von Menschen besser vertragen, die Probleme mit dem Weizenkleber haben. Dinkel enthält zwar ebenfalls viel Kleber – aber dieser hat beim Dinkel eine andere chemische Zu­sammensetzung als alte und neue Weizensorten.

Mit Ausnahme der mit Weizen rückgekreuzten Sorte „Franckenkorn“ enthält Dinkel kaum die für empfindliche Menschen ungünstigen für Weizen typischen ω-Gliadine. Wegen seines höheren Gehalts an Eiweiß und an allen acht essenziellen Aminosäuren ist Dinkel neuerdings bei Sportlern beliebt.

Die Verarbeitung von Dinkel zu Mehl ist deutlich aufwändiger und erfordert einen 2-stufigen Mahlprozess, bei dem zunächst die ver­wachsenen Spelzen getrennt werden. Entspelzte Dinkelkörner haben Reis-ähnliche Eigenschaften und können wie Reis in der Küche ver­arbeitet werden. Teige mit Dinkelmehl sind wegen des anderen Klebers zwar gut geschmeidig und dehnbar, aber weniger formstabil als Weizen­mehl. Das Handhabung mit Dinkelmehl gilt als „schwieriger“ - kann aber durch Zutaten wie etwas Ascorbinsäure (Vitamin C) verbessert werden. Das Gebäck wird wegen geringerer Wasserbindung allerdings schneller hart. 

Einige Brauereien verwenden statt Weizen den Dinkel für ihre ober­gärigen Biersorten. Diese sollen einen interessanten Geschmack haben.

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin

 

Mai 2019
Die vielseitige Linde

Lindenbäume werden bis zu 1000 Jahre alt, werden oft als Park- oder Straßenbaum gepflanzt und stehen oft einzeln an besonderen Orten. Die herzförmigen Blätter sind der Grund, weswegen Liebesver­sprechen unter dem Baum als besonders romantisch gelten und früher auch Trauungen dort abge­halten wurden. Der Baum war bei den Germanen der Göttin der Liebe, Frigga oder Holda, geweiht. Auf dem Dorfplatz traf man sich unter dem Lindenbaum auch für offizielle Versammlungen und das Gericht sowie für Feste wie den Tanz in den Mai.

Eher selten ist heute noch die sogenannte Tanzlinde zu finden, bei der ein Tanzboden auf die aus­ladenden Äste gestellt und aufgehängt wird und man dann in luftiger Höhe und doch schön im Schatten den Tanz genießt – auch gut geschützt vor Blicken von außen. Nach dem Tanz trat vormals die Gesellschaft zum Ringelreihen an. Tanzen ist aus naturheilkundlicher Sicht eine für Körper und Psyche besonders gesunde Bewegung im Rhythmus der Musik und damit eine ideale Aktivität nicht nur im Frühjahr.

„Fast nur noch ältere Leute der alten Schule sammeln die einst so beliebten Lindenblüten. Sie haben ganz recht und mögen nur treu und konservativ bleiben.“ Sebastian Kneipp

Die Winterlinde wächst weiter nördlich in Europa, hat etwas größere Blätter als die Sommerlinde und die Unterseite ist blaugrün. Die Unterschiede zur eher südlich wachsenden Sommerlinde sind mitunter fließend, weil beide Arten bastardisieren zur sog. Holländischen Linde. Das Holz der heiligen Linde eignet sich zum Schnitzen und beim „Taferlbaum“ brachte man in der Höhlung alter Bäume Brust­bilder, Marienbilder oder Votivbilder aus wiederum Lindenholz an.

Neben den Blättern treiben im Juni auch die nach unten hängenden Doldentrauben von Blüten. Die Blüten enthalten reichlich klebrigen Nektar, der wegen seines hohen Zuckergehaltes für Bienen günstig ist. Die Blüten werden gesammelt und in Gebäck eingebacken oder getrocknet als beliebter Kräutertee zur Symptomlinderung bei Erkältungen.

Lindenblüten wirken schweißtreibend und senken dadurch vorhandenes Fieber. In einer Studie an gesunden Freiwilligen konnte die Schweißmenge nach Trinken von Lindenblütentee gegenüber Trinken von heißem Wasser immerhin verdoppelt werden. Diese Wirkung soll über Glykosid-Verbindungen zustande kommen – weiterhin enthalten Lindeblüten aber auch noch rund 10% an Schleimstoffen (überwiegend Arabinogalactane). Solche Schleimstoffe legen sich beim Trinken wie ein Schutzfilm auf die gereizten Schleimhäute im Rachen und Kehlkopfbereich und können somit Halsschmerzen und Hustenreiz lindern. 

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin


 

April 2019
Bärlauch

Bärlauch – das gesunde Wildgemüse: In hellen Laubwäldern bildet Bär­lauch im März mitunter ausgedehnte grüne Flächen, wobei dann im Mai die weißen sternförmigen Blüten das dunkle Grün auflockern. Dann aller­dings nimmt der Gehalt an Wirkstoffen in den Blättern bereits ab. Zer­reibt man eine Blattspitze fällt der durchdringende lauchartige Geruch auf – so kann kaum eine Verwechslung mit den ebenfalls früh austreiben­den Blättern des äußerst giftigen Maiglöckchens vorkommen.  

„Für unser Klima passen am besten Gewürze, die in unseren Gegenden wachsen.“ Sebastian Kneipp

Bärlauch ist mit dem Knoblauch verwandt und seine frischen Blätter ent­halten dieselben schwefelhaften Wirkstoffe, die für fettstoffwechsel-för­dernden und Arteriosklerose-vorbeugenden sowie antibakteriellen und pilzhemmenden Wirkungen verantwortlich sind – aber auch für den Knoblauch-typischen Geruch bei hochdosierter Einnahme. Neben diesen schwefelhaltigen Verbindungen kommen noch weitere sekundäre Pflan­zen­stoffe wie ätherische Öle, sowie allerhand Mineralien sowie Vitamin C vor.

Die Pflanze ist zwar komplett essbar, genutzt werden aber vorwiegend die Blätter, oft auch mit den Stängeln, am besten frisch als Gewürz, Salat oder als Gemüse in der Frühjahrsküche. Das Gerücht ist falsch, dass Bärlauch während und nach der Blüte giftig sei.

Oft wird dem Bärlauch zugeschrieben, er sei mindestens so gesund wie Knoblauch, ohne allerdings den Körpergeruch zu beeinflussen. Dies könnte allerdings auch mit einer zu niedrigen Dosierung sowie einer kurzfristigen oder unregelmäßigen Einnahme erklärt werden, bei der eine medizinische Wirkung dann unwahrscheinlich wird. Auch die Verarbeitung der Blätter durch Kleinschneiden, Kochen, Backen oder Mischung mit Ölen oder wässrig-alkoholischen Lösungen führt dazu, dass nur noch Abbau­produkte der schwefelhaltigen Wirkstoffe enthalten sind, deren Wirksam­keit am Menschen nicht gezeigt werden konnte. Im Gegensatz zu be­stimmten Knoblauch-Präparaten ist der klinische Wirksamkeitsnachweis für Bärlauch noch nicht erbracht worden.

Dennoch ist Bärlauch ein gesunder Beitrag für die Frühjahrsküche und passt auch zu den von Kneipp geschätzten Frühjahrskuren, bei denen Nahrungsreduktion oder Fasten mit „entschlackenden“ Maßnahmen kombiniert wird. „Entschlackung“ wäre beim Bärlauch durch eine milde Anregung von Galle und Leber sowie Magen und Darm gegeben, die schon durch die Gewürz- und Bitterstoffe des frischen Bärlauchs zustande kommt.

Bärlauch-Blätter kann man im Wald nach entsprechendem Ausschluss von Verwechselungen ernten, jedoch nicht in Naturschutz- oder Flächen­schutz­gebieten! Bärlauch lässt sich aber auch relativ leicht im Garten an schattigen Plätzen anbauen. Frische Bärlauch-Blätter wickelt man nach dem Ernten in ein feuchtes Tuch und kann sie so im Kühlschrank einige Tage frisch halten.

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin


März 2019
Brennnesseln

Sie sind wohl eine der meist unterschätzten Pflanzengattungen – die Brennnesseln (Urtica). Aus der familie Brennnesselgewächse (Urticaceae) stammend, ist das oftmals als Unkraut verschmähte Gewächs weltweit verbreitet. Ein weiterer Grund für den zweifelhaften Ruf der Brennnesseln sind die hauptsächlich auf der Blattoberseite befindlichen Brennhaare. Diese bestehen in ihrem oberen, harten Teil vorwiegend aus Kieselsäure, während der untere, biegsame Teil mit Brennflüssigkeit gefüllt ist. Diese enthält u.a. Serotonin, Histamin und Ameisensäure – der menschliche Körper reagiert bei Berührungen empfindlich. Übrigens gibt es hier Unterschiede je nach Art: So ist der Kontakt mit der Kleinen Brennnessel (Urtica urens) mit deutlich mehr Schmerzen verbunden als mit der Großen Brennnessel (Urtica dioica), die in Deutschland am häufigsten vorkommt.

„Die Brennnessel hat in der Tat für Kenner den größten Wert.“  Sebastian Kneipp

Das gesundheitsförderliche Potenzial der Brennnessel ist vielfältig. Zum einen ist sie schlichtweg ein gesundes Nahrungsmittel mit sehr viel Vitamin C (mehr als Zitrusfrüchte!), Vitamin A, Eisen, Kalium, Kalzium, Eiweiß, Kieselsäure und Carotin (ungefähr doppelt so viel wie Karotten!) und kann so zur Stärkung des Immunsystems beitragen. Auch die Samen der Brennnessel sind essbar und werden heutzutage von der Industrie als „Superfood“ vermarktet.

Anderseits besitzen die Blätter und Wurzeln spezielle entzündungshemmende sowie weitere Wirkstoffe, die zur Linderung von Schmerzen im Bewegungsapparat bzw. bei Prostatavergrößerung eingesetzt werden können. Früher wurde Brennnesseltee als „blutreinigendes“ Mittel eingesetzt, was angesichts seiner gesunden Inhaltsstoffe sowie seiner mild den Stoffwechsel und die Nierenfunktion anregenden in Verbindung mit Alkoholenthaltung oder gar Fasten nur günstig sein kann. Selbst bei Hautproblemen wie Akne soll so eine Kur positive Wirkungen entfalten. Die harntreibende Wirkung kann bei Blasen- bzw. Harnwegsent­zün­dungen oder Neigung zu Nierensteinen helfen.

Bereits die Römer kannten eine relativ gewöhnungsbe­dürftige Methode einer Schmerzbehandlung: das Nesselpeitschen (sog. Urtikation). Sebastian Kneipp war übrigens ein großer Freund dieser eigentlich völlig plausiblen Anwendungsform, die man bei Schmerzen von Gelenken leicht selbst durchführen kann. Die Wirkung kommt auf ähnliche Weise zustande wie bei der Anwendung von Salben mit Reizstoffen oder wie bei der Akupunktur.

Und so geht’s: Zwei Teelöffel getrocknete Brennnesselblätter oder -wurzel für 1 Tasse Tee mit kochendem Wasser übergießen, kurz aufkochen, fünf Minuten ziehen lassen – 3-mal täglich.

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin