Kneipp-Gesundheitsvisite

April 2019
Bärlauch

Bärlauch – das gesunde Wildgemüse: In hellen Laubwäldern bildet Bär­lauch im März mitunter ausgedehnte grüne Flächen, wobei dann im Mai die weißen sternförmigen Blüten das dunkle Grün auflockern. Dann aller­dings nimmt der Gehalt an Wirkstoffen in den Blättern bereits ab. Zer­reibt man eine Blattspitze fällt der durchdringende lauchartige Geruch auf – so kann kaum eine Verwechslung mit den ebenfalls früh austreiben­den Blättern des äußerst giftigen Maiglöckchens vorkommen.  

„Für unser Klima passen am besten Gewürze, die in unseren Gegenden wachsen.“ Sebastian Kneipp

Bärlauch ist mit dem Knoblauch verwandt und seine frischen Blätter ent­halten dieselben schwefelhaften Wirkstoffe, die für fettstoffwechsel-för­dernden und Arteriosklerose-vorbeugenden sowie antibakteriellen und pilzhemmenden Wirkungen verantwortlich sind – aber auch für den Knoblauch-typischen Geruch bei hochdosierter Einnahme. Neben diesen schwefelhaltigen Verbindungen kommen noch weitere sekundäre Pflan­zen­stoffe wie ätherische Öle, sowie allerhand Mineralien sowie Vitamin C vor.

Die Pflanze ist zwar komplett essbar, genutzt werden aber vorwiegend die Blätter, oft auch mit den Stängeln, am besten frisch als Gewürz, Salat oder als Gemüse in der Frühjahrsküche. Das Gerücht ist falsch, dass Bärlauch während und nach der Blüte giftig sei.

Oft wird dem Bärlauch zugeschrieben, er sei mindestens so gesund wie Knoblauch, ohne allerdings den Körpergeruch zu beeinflussen. Dies könnte allerdings auch mit einer zu niedrigen Dosierung sowie einer kurzfristigen oder unregelmäßigen Einnahme erklärt werden, bei der eine medizinische Wirkung dann unwahrscheinlich wird. Auch die Verarbeitung der Blätter durch Kleinschneiden, Kochen, Backen oder Mischung mit Ölen oder wässrig-alkoholischen Lösungen führt dazu, dass nur noch Abbau­produkte der schwefelhaltigen Wirkstoffe enthalten sind, deren Wirksam­keit am Menschen nicht gezeigt werden konnte. Im Gegensatz zu be­stimmten Knoblauch-Präparaten ist der klinische Wirksamkeitsnachweis für Bärlauch noch nicht erbracht worden.

Dennoch ist Bärlauch ein gesunder Beitrag für die Frühjahrsküche und passt auch zu den von Kneipp geschätzten Frühjahrskuren, bei denen Nahrungsreduktion oder Fasten mit „entschlackenden“ Maßnahmen kombiniert wird. „Entschlackung“ wäre beim Bärlauch durch eine milde Anregung von Galle und Leber sowie Magen und Darm gegeben, die schon durch die Gewürz- und Bitterstoffe des frischen Bärlauchs zustande kommt.

Bärlauch-Blätter kann man im Wald nach entsprechendem Ausschluss von Verwechselungen ernten, jedoch nicht in Naturschutz- oder Flächen­schutz­gebieten! Bärlauch lässt sich aber auch relativ leicht im Garten an schattigen Plätzen anbauen. Frische Bärlauch-Blätter wickelt man nach dem Ernten in ein feuchtes Tuch und kann sie so im Kühlschrank einige Tage frisch halten.

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin


März 2019
Brennnesseln

Sie sind wohl eine der meist unterschätzten Pflanzengattungen – die Brennnesseln (Urtica). Aus der familie Brennnesselgewächse (Urticaceae) stammend, ist das oftmals als Unkraut verschmähte Gewächs weltweit verbreitet. Ein weiterer Grund für den zweifelhaften Ruf der Brennnesseln sind die hauptsächlich auf der Blattoberseite befindlichen Brennhaare. Diese bestehen in ihrem oberen, harten Teil vorwiegend aus Kieselsäure, während der untere, biegsame Teil mit Brennflüssigkeit gefüllt ist. Diese enthält u.a. Serotonin, Histamin und Ameisensäure – der menschliche Körper reagiert bei Berührungen empfindlich. Übrigens gibt es hier Unterschiede je nach Art: So ist der Kontakt mit der Kleinen Brennnessel (Urtica urens) mit deutlich mehr Schmerzen verbunden als mit der Großen Brennnessel (Urtica dioica), die in Deutschland am häufigsten vorkommt.

„Die Brennnessel hat in der Tat für Kenner den größten Wert.“  Sebastian Kneipp

Das gesundheitsförderliche Potenzial der Brennnessel ist vielfältig. Zum einen ist sie schlichtweg ein gesundes Nahrungsmittel mit sehr viel Vitamin C (mehr als Zitrusfrüchte!), Vitamin A, Eisen, Kalium, Kalzium, Eiweiß, Kieselsäure und Carotin (ungefähr doppelt so viel wie Karotten!) und kann so zur Stärkung des Immunsystems beitragen. Auch die Samen der Brennnessel sind essbar und werden heutzutage von der Industrie als „Superfood“ vermarktet.

Anderseits besitzen die Blätter und Wurzeln spezielle entzündungshemmende sowie weitere Wirkstoffe, die zur Linderung von Schmerzen im Bewegungsapparat bzw. bei Prostatavergrößerung eingesetzt werden können. Früher wurde Brennnesseltee als „blutreinigendes“ Mittel eingesetzt, was angesichts seiner gesunden Inhaltsstoffe sowie seiner mild den Stoffwechsel und die Nierenfunktion anregenden in Verbindung mit Alkoholenthaltung oder gar Fasten nur günstig sein kann. Selbst bei Hautproblemen wie Akne soll so eine Kur positive Wirkungen entfalten. Die harntreibende Wirkung kann bei Blasen- bzw. Harnwegsent­zün­dungen oder Neigung zu Nierensteinen helfen.

Bereits die Römer kannten eine relativ gewöhnungsbe­dürftige Methode einer Schmerzbehandlung: das Nesselpeitschen (sog. Urtikation). Sebastian Kneipp war übrigens ein großer Freund dieser eigentlich völlig plausiblen Anwendungsform, die man bei Schmerzen von Gelenken leicht selbst durchführen kann. Die Wirkung kommt auf ähnliche Weise zustande wie bei der Anwendung von Salben mit Reizstoffen oder wie bei der Akupunktur.

Und so geht’s: Zwei Teelöffel getrocknete Brennnesselblätter oder -wurzel für 1 Tasse Tee mit kochendem Wasser übergießen, kurz aufkochen, fünf Minuten ziehen lassen – 3-mal täglich.

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke
Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin